Gesamtsanierung Antonierhof
St. Johanns-Vorstadt 33+35 Basel
Planerwahlverfahren: offene Ausschreibung nach GATT/WTO
Ausgangslage / Kurzfassung der bewegten Architekturgeschichte
Der Vorgängerbau war ursprünglich ein Haus des Klosters Isenheim im Elsass, 1534 als Antoniterhaus erwähnt. 1770 liess Emanuel Ryhiner-Leissler zwischen Hof und Garten den noch heute sichtbaren Palais im spätbarocken Baustil errichten. Das Gebäude wurde im Laufe der Zeit mehrmals umgebaut und schließlich von der Bandfabrik Vonder Mühll & Co. übernommen. 1900 wurde der Antonierhof um den Eckbau St. Johanns-Vorstadt 35 erweitert und zu Büros umgebaut. 1928 kamen neue Schaufenster dazu und der Eckbau wurde neu erschlossen. 1930 wurde die Liegenschaft an der Schanzenstrasse in eine Kaffeehalle umgebaut. Bei einem Gesamtumbau 1931 wurden schliesslich Wohnungen eingerichtet und das kostbare Innere des Gebäudes zerstört. Trotz vieler Veränderungen und abgeänderter Baulinien ist das historisch wertvolle Haus erhalten geblieben.
Aufgabe
Die passende Eingriffstiefe wird in einem Kommunikationsprozess mit der Trägerschaft des Kantons Basel-Stadt und der Denkmalpflege entwickelt. Auf das formulierte Bauvorhaben wirken neben ökonomischen und technischen Gegebenheiten besonders auch baukulturelle und mietrechtliche Faktoren ein.
Konzept / Räumliche DNA
Die grosszügige Raumstruktur der untersuchten Ursprungsbauten ist substantiell intakt und aufgrund der repräsentativen Fassadengestaltung von Aussen zu erahnen. Im Innern wurde die vormalige Raumwirkung im ausgehenden 20 Jhd. durch nachträgliche Einbauten weitgehend verunklärt. Durch das dosierte Ausdünnen von nichttragenden Elementen, werden anmutige, dem äusseren Erscheinungsbild adäquate Räume geschaffen. Gleichzeitig werden durch das Umplatzieren der Küchen in Wohn-/Essbreiche, sowie durch den Einbau zusätzlicher Nasszellen zeitgemässe Wohnformen geschaffen und moderne Bedürfnisse erfüllt.
Ausführung / Materialisierung
Umgang mit historischer Struktur und Ausstattung
Für die Materialisierung neuer Einbauten kommen solide und dauerhafte Materialien zum Einsatz. In den Wohnräumen finden die Eichenböden des Treppenhauses Ihre Fortsetzung. Für die Küchenarbeitsplatten wird einheimischer Gneis verwendet. Die Nassbereiche werden mit kleinformatigen Feinsteinzeugplatten belegt. Mit der weitergebauten, soliden Materialität wird der Bezug zum historischen Raumkontext hergestellt. Auch der vormals unattraktive, asphaltierte Innenhof wird im Bereich des Projektperimeters in einen kleinen englischen Garten mit barocker Linienführung verwandelt. Gepflasterte Wege und Veloabstellplätze bedienen auch da die modernen Bedürfnisse der Mieter und nehmen dabei Bezug zur Architektur- und Umgebungsgeschichte des Ortes.
Bauherrschaft: Immobilien Basel-Stadt Portfoliomanagement
Projektbegleitung: Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Städtebau & Architektur
Bauleitung: Marco Schmid, Projektierbar Architekten AG
Bauingenieur: Burkhard Schnabel, Holztage GmbH